Unter Erlen

  1. Unter Erlen steht 'ne Mühle,
    unter der das Wasser rauscht
    und in einer Mondscheinkühle
    steht ein Schweizerbub und lauscht.
  2. Leise öffnet sich ein Fenster,
    eine Hand streckt sich zum Gruß
    und da gab der Schweizer Bub
    der Geliebten einen Kuß.
  3. Und darein schleicht sich der Vater
    legt das Räderwerk zur Ruh -
  4. Liebes Mädel laß Dir sagen
    heut zum allerletzten Mal,
    daß Du diesen Schweizer Buben
    nie und nimmer lieben darfst.
  5. Gut ich will ihm Abschied schreiben
    ob mir's schwer fällt oder nicht
    schreib wir dürfen uns nicht lieben,
    meine Eltern dulden's nicht.
  6. Und an einem Montagmorgen
    ging sie in den Wald hinaus,
    und da fand sie ihren Buben
    ihr'n geliebten Schweizer tot.
  7. In der Hand hielt er ein Brieflein,
    wo darauf geschrieben stand,
    wärest Du mir treu geblieben
    hätt' ich dieses nie getan.
  8. Und an einem Mittwochmorgen
    trug man beide sie zur Ruh
    und nun deckt die Schweizer Erde
    zwei verliebte Herzen zu.
  9. Liebe Eltern laßt Euch sagen,
    störet nie ein Kinderglück,
    denn es kommen trübe Tage,
    wo ihr denkt an sie zurück.

gefunden im Liederbuch meiner Mutti aus dem Jahr 1952